In der Nacht vom 21. auf den 22. Mai konnte ich mich in der diesjährigen Saison immerhin schon zum zweiten Mal aufraffen, um – wie sollte es auch anders sein – die Milchstraße zu fotografieren.
Während ich im März noch relativ entspannt um 04:30 Uhr gegen Ende der Nacht startete, musste ich im Mai wegen der kürzeren Nächte bereits um 02:00 Uhr am Ort des Geschehens sein. Gelohnt hat es sich aber in jedem Fall, denn neben dem wie immer genialen Gefühl, nachts alleine unter dem Sternenhimmel zu stehen, konnte ich diesmal sogar noch einige wichtige Erkenntnisse in Sachen Qualitätssteigerung bei der Astrofoto-Entwicklung gewinnen. Aus diesem Grund gibt’s nachfolgend nicht nur die Fotos, sondern auch eine (rudimentäre) Schritt für Schritt-Anleitung für meine Leser und vor allem auch für mich selbst, damit ich und auch beim nächsten Mal noch weiß, was bei der Entwicklung den entscheidenden Unterschied macht.
Los geht’s…
Inhalt:
Wetterbedingungen
Die Wettervorhersage war perfekt: Keine Wolken und mindestens 11°C waren für die Nacht im Zeitraum von 2 bis 4 Uhr vorhergesagt.
Location und Bedingungen
Als ich vor Ort gegen 2 Uhr ankam, betrug die Temperatur sogar sehr angenehme 14°C. Wolken waren weit und breit nicht zu sehen – Glück gehabt, denn in der Vergangenheit stimmte die Wettervorhersage bereits desöfteren nicht.
Das galaktische Zentrum der Milchstraße hatte zu der Zeit etwa eine Höhe von 10° über dem Horizont erreicht und sollte bis zum Ende meiner Tour gegen 03:15 Uhr noch auf etwa 12° steigen.
Als Location wählte ich zwei altbekannte Standpunkte, an denen ich bereits in der Vergangenheit bei geringer Lichtverschmutzung sehr schöne Astrofotos aufnehmen konnte.
Den ersten der beiden Spots suche ich nach wie vor gerne auf, da ich einerseits das Motiv mag und ich andererseits immer eine Referenz zu den vorherigen Aufnahmen herstellen kann, um meinen Entwicklungsprozess zu optimieren:



Den zweiten Spot besuchte ich zuletzt im vergangenen Jahr. Mit dem entwickelten Bild war ich ziemlich zufrieden, allerdings störte mich immer, dass das galaktische Zentrum der Milchstraße nicht vollständig zu sehen war:

Grund genug also, um es erneut an diesen Standorten zu versuchen.
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Keine Überraschungen:
- Sony Alpa 7 III
- Sony SEL20F18G
- Sony SEL24F14GM
Nachdem ich die letzten Male vor allem mit meinem 24mm Sony SEL24F14GM unterwegs war, hatte ich mir dieses Mal fest vorgenommen, das SEL20F18G aufs Bajonett meiner Sony Alpha 7 III zu schrauben. Mir gefällt der Look der 20mm-Aufnahmen einfach viel besser als mit der 24mm-Linse.
Kameraeinstellungen
Ebenfalls keine Überschungen:
- ISO: 800 (wegen der ISO-Invarianz des Sensors Sony Alpha 7 III)
- Belichtungszeit: 13 Sekunden
- Blende: f/2
- Anzahl Aufnahmen fürs Stacking: 16
Ergebnisse
Jetzt aber zu den Ergebnisse.
Im Unterschied zu meinen früheren Aufnahmen bevorzuge ich inzwischen einen dunkleren Look und versuche, den Sternenhimmel in der Entwicklung natürlicher wirken zu lassen. Mitunter hatte ich es in der Vergangenheit mit der Farbtemperatur und der Sättigung etwas zu gut gemeint (Aufnahme 2021), oder das galaktische Zentrum künstlich überbetont sowie die Sterne zu sehr reduziert (Aufnahme 2023).
Tatsächlich ist der „Holzstapel-Look“ aus dem Vorjahr derjenige, den ich nach wie vor präferiere, d.h.:
- Natürlichere Farben des Sternenhimmels
- Natürlichere Lichtverhältnisse im Vordergrund
- Natürlichere Anzahl Sterne
Bei der Entwicklung der nachfolgenden Bilder fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Der Schlüssel für eine mehr oder weniger realistische Darstellung der Milchstraße und des Sternenhimmels ist die penible Einstellung der Farbtemperatur und der des Farbtons. Erst dann strahlt das galaktische Zentrum auf den Bildern in den Farben, die man auch auf den meisten Afnahmen im Netz sieht.
Standardmotiv
Das erste Bild entstand gegen 02:15 Uhr bei besten Sichtbedingungen. Das galaktische Zentrum der Milchstraße befand sich zu diesem Zeitpunkt etwa 10° über dem Horizont und die Sicht- bzw. Fotografieverhältnisse waren noch nicht optimal:

Den Vordergrund habe ich diesmal deutlich dunkler gehalten, um den Blick des Betrachters gezielter aufs Wesentliche zu lenken, nämlich die Milchstraße und deren Zentrum.
Holzstapel reloaded, horizontal

Holzstapel reloaded, vertikal

Notiz an mich selbst: Entwicklungsschritte (stichwortartig)
Die Fotografie der Milchstraße fasziniert viele Menschen. Doch die eigentliche Magie entsteht bei der Astrofotografie oft erst am Computer. Wer atemberaubende Details aus dem Nachthimmel herausholen möchte, benötigt ein strukturiertes Vorgehen bei der Bildbearbeitung.
Da ich mit den Ergebnissen sehr zufrieden bin, dokumentiere ich nachfolgend nochmals die wesentlichen Tools, Entwicklungsschritte und Arbeitsabläufe.
Diese Kurzanleitung führt Schritt für Schritt durch den professionellen Workflow mit Sequator, Photoshop und spezialisierten Plugins wie StarXTerminator und basiert im wesentlichen auf dem ausführlicheren Tutorial Der ultimative Astrofoto-Guide: Brillante Astrofotos der Milchstraße Schritt für Schritt mit Adobe Lightroom LrC, Photoshop, Sequator und StarXTerminator entwickeln.
Schritt 1: Die Vorbereitung in Lightroom Classic
Bevor die Bearbeitung beginnt, werden die Rohdaten exportiert. Für dieses Beispiel wird von 16 Einzelaufnahmen ausgegangen, die mit den folgenden Kameraeinstellungen aufgenommen wurden: 13 Sekunden Belichtungszeit, Blende f/2.0, ISO 800 und einer Farbtemperatur von 3900 Kelvin. 16 Aufnahmen haben sich für mich mit meiner Sony Alpha 7 III als Sweet Spot in Sachen Bildqualität und Wartezeit erwiesen.
- Die 16 Aufnahmen werden in Lightroom Classic ausgewählt.
- Der Export der unveränderten Rohdaten erfolgt im TIF-Format, um maximale Bildinformationen zu erhalten.
Schritt 2: Der Sternenhimmel-Stack in Sequator
Um das Bildrauschen des Himmels massiv zu reduzieren, wird die kostenlose Software Sequator genutzt. Sie rechnet die 16 Aufnahmen übereinander (Stacking) und gleicht die Erddrehung aus, um sichtbare Sternenspuren zwischen den Aufnahmen zu vermeiden.
- Nach dem Öffnen von Sequator werden die exportierten TIF-Dateien als „Star Images“ importiert.
- Folgende Einstellungen werden auf der linken Seite exakt so gesetzt:
- Composition: Align stars (freeze ground) – Dadurch werden die Sterne exakt ausgerichtet, während der Vordergrund scharf gehalten wird.
- Sky region: Partial – Hier wird der Himmelsbereich manuell markiert.
- Auto brightness: On
- High dynamic range: On
- Remove dynamic noises: On
- Reduce distor. effects: Auto
- Ein Klick auf „Start“ berechnet das finale, rauschfreie Himmelsbild. Das Ergebnis wird als TIF-Datei gespeichert.
Schritt 3: Den Vordergrund in Photoshop zusammensetzen
Da der Vordergrund beim Stacking in Sequator meist qualitativ minderwertig ist, führe ich das Vordergrund-Stacking vorzugsweise auf Basis der 16 Originalbilder in Photoshop durch:
- Die 16 Originalaufnahmen werden in Lightroom markiert. Über den Befehl Bearbeiten in > In Photoshop als Ebenen öffnen werden sie in eine Datei geladen.
- Alle Ebenen werden in der Ebenen-Seitenleiste markiert.
- Über das Menü Ebene > Smartobjekte > In Smartobjekt konvertieren werden sie zu einem Smartobjekt zusammengefasst.
- Nun folgt das Stacking für den Vordergrund: Ebene > Smartobjekte > Stapelmodus > Median (oder Mittelwert). Das Rauschen im Vordergrund verschwindet dadurch fast vollständig.
- Über das MenüFilter > Camera Raw-Filter erhält der Vordergrund schließlich noch einen minimalen Feinschliff:
- Die Aufnahme wird dezent bzw. nach eigenen Präferenzen aufgehellt.
- Struktur und Klarheit werden leicht angehoben.
- Die Funktion Dunst entfernen sorgt für knackigere Kontraste und mehr Dramatik (Geschmackssache).
- Ein linearer Verlaufsfilter wird bei Bedarf von unten gezogen, um die Helligkeit des Vordergrunds natürlich zu reduzieren und dem Bild mehr Tiefe zu verleihen.
Schritt 4: Die Trennung von Sternen und Milchstraße
Nun wird das in Schritt 2 exportierte Sequator-TIF in Photoshop geöffnet. Um die Milchstraße perfekt zu betonen, werden die Sterne mit dem kostenpflichtigen Plugin StarXTerminator vom Hintergrund getrennt:
- Das Sequator-Bild wird im Camera Raw-Filter leicht optimiert: Die Regler für Klarheit und Dunst entfernen werden moderat erhöht. Falls nötig, wird die Farbtemperatur minimal wärmer eingestellt.
- Diese bearbeitete Ebene wird zweimal dupliziert.
- Die untere Kopie erhält den Namen „starless“.
- Die obere Kopie erhält den Namen „stars“.
- Die Ebene „starless“ wird im Ebenenmenü ausgewählt. Über Filter > RC-Astro > StarXTerminator (mit gesetztem Häkchen bei Large Tile Overlap) werden alle Sterne vollautomatisch entfernt.
- Nun wird die Ebene „stars“ ausgewählt. Über das Menü Bild > Bildberechnungen wird eingestellt:
- Ebene: „starless“
- Mischmodus: Subtrahieren
- Ergebnis: Diese Ebene enthält nun nach der Subtraktion ausschließlich die Sterne. Die Trennung der zwei Ebenen war erfolgreich.
Schritt 5: Die Sterne zum Leuchten bringen
- Die Ebene „starless“ wird ausgewählt und der Ebenenmodus auf Farbig abwedeln gestellt.
- Diese Ebene wird nun dupliziert, wobei der Modus beibehalten wird. So werden die Sterne stärker betont und beginnen zu leuchten.
- Die Ebene wird ein weiteres Mal dupliziert (Modus bleibt gleich) und erhält zusätzlich eine schwarze Ebenenmaske.
- Mit einem weichen, weißen Pinsel wird auf dieser Maske vorsichtig über das galaktische Zentrum und markante Sterne gemalt, um gezielte Glanzpunkte und Akzente zu setzen.
Schritt 6: Die Milchstraße herausarbeiten
Jetzt wird der Fokus auf die Ebene „starless“ (Ebene ohne Sterne) gelegt, um die Strukturen der Milchstraße herauszuarbeiten.
- Der Camera Raw-Filter wird für die „starless“-Ebene geöffnet.
- Die Details in den kosmischen Nebeln werden durch das Erhöhen von Struktur und Klarheit betont. Zudem werden die Regler von Dunst entfernen, Dynamik und Sättigung angehoben.
- Ein linearer Verlaufsfilter wird bei Bedarf vom Horizont nach oben gezogen. Hier wird die Sättigung bewusst reduziert, um störende Lichtverschmutzung und Fehlfarben am Horizont zu eliminieren und den Übergang vom Vordergrund zum Hintergrund natürlicher wirken zu lassen.
- Wichtigster Schritt für einen natürlichen Look: Anpassung der Farbtemperatur und Tönung
- Das Bild wirkt durch die Bearbeitung oft sehr blaustichig. Die Farbtemperatur wird so weit erhöht (Richtung Gelb), bis die teils extremen Blautöne verschwinden.
- Da das Bild danach meist einen Grünstich aufweist, wird der Farbton mit viel Feingefühl von Grün in Richtung Lila verschoben.
- Wenn alles funktioniert hat, sollte das galaktische Zentrum jetzt in seinen typischen Farben in Gelb strahlen.
- Sollte die Ebene zu grobkörnig wirken, empfiehlt sich eine Entrauschung (z. B. mit Topaz Denoise AI oder mit Photoshop-Bordmitteln).
- Kontraste und Details verstärken
- Danach wird eine Gradationskurve über der Ebene angelegt und nur auf diese Ebene angewendet (STRG+ALT+G): Die hellen Bereiche der Milchstraße werden sanft (mit dem Fingersymbol) nach oben gezogen, die dunklen Bereiche im galaktischen Zentrum nach unten (S-Kurve). Der Himmel sollte jetzt mehr Tiefe haben und weniger dunstig wirken.
- Jetzt wird Die Milchstraßen-Ebene dupliziert. Auf die Kopie wird ein Hochpassfilter angewendet (Radius: 150px), um die Kontraste noch stärker zu betonen.
- Der Ebenenmodus der Hochpassfilter-Ebene wird auf „Weiches Licht“ eingestellt.
- Dieser Hochpass-Ebene wird eine schwarze Ebenenmaske hinzugefügt. Die wichtigsten Elemente der Milchstraße werden mit einem weichen, weißen Pinsel sanft hervorgeholt.
- Die zuvor erstellte Gradationskurve kann kopiert und direkt auf die Hochpass-Ebene angewendet werden (STRG+ALT+G).
Schritt 7: Zusammenfügen von Vorder- und Hintergrund sowie Feinschliff
Zum Schluss werden alle drei Puzzleteile – der Vordergrund (Schritt 3) sowie die „starless“- und „stars“-Ebenen des Himmels – übereinandergelegt:
- Mit dem Tastenkürzel STRG + ALT + SHIFT + E (Mac: CMD + OPTION + SHIFT + E) werden alle sichtbaren Ebenen auf einer neuen, einzelnen Ebene ganz oben zusammengefasst.
- Diese finale Ebene wird ein letztes Mal im Camera Raw-Filter geöffnet.
- Hier erfolgt das finale Feintuning von Belichtung, Weißabgleich und ggf. letzten Verlaufsfiltern.
- Als gestalterischer Tipp empfiehlt sich eine leichte Vignettierung (ca. -20), um den Blick des Betrachters ins Zentrum des Geschehens zu lenken.
Das Resultat ist ein rauschfreies, kontrastreiches und farblich perfekt balanciertes Astrofoto, das die volle Pracht der Milchstraße offenbart.
Fazit
Immerhin konnte ich mich dieses Jahr bereits das zweite Mal mitten in der Nacht aufraffen. Und was soll ich sagen? Es hat sich wieder einmal absolut gelohnt. Der Mai ist einer der besten Monate zur Milchstraßenfotografie.
Dass insbesondere die richtige Farbtemperatur entscheidend für eine strahlende Milchstraße und eine gewisse, atmosphärische Tiefe des Sternenhimmels ist, hatte ich leider in den vergangenen Jahren aus den Augen verloren. Umso wichtiger ist daher, dass ich mir dieser Tatsache jetzt wieder bewusst wurde und die nötigen Arbeitsschritte dazu für mich und die Nachwelt dokumentiert habe. Die entwickelten Bilder gefallen mir aussprechend gut.
Mit meiner Sony Alpha 7 III bin ich übrigens nach wie vor sehr zufrieden und ich wüsste nicht, wieso ich in Sachen Bildqualität auf die Alpha 7 IV oder gar die Alpha 7 V upgraden sollte. Einzig bei der obigen Hochkant-Aufnahme musste ich einmal mehr feststellen, dass ein schwenkbares Display einen erheblichen Mehrwert stiften würde. Das wäre aber auch schon einer der wenigen Vorteile, den mir eines der neueren Modelle bieten würde.
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Weiterführende Themen:
- Astrofotografie: Einstieg & Basiswissen
- Astrofotografie FAQ: Häufige Fragen einfach erklärt. Voraussetzungen, Kameraeinstellungen, Bildentwicklung.
- Astrofotografie-Kalender: Mond, Sternschnuppen, Milchstraße und Deep Sky-Objekte auf einen Blick
- Optimale Kameraeinstellungen zur Astrofotografie
- Der ultimative Astrofoto-Guide: Brillante Astrofotos der Milchstraße Schritt für Schritt mit Adobe Lightroom LrC, Photoshop, Sequator und StarXTerminator entwickeln.

