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Astrofotografie mit 50mm: Optimale Kameraeinstellungen

Erstellt am 01.08.2022 von Hendrik


Objektive mit 50mm sind beliebt als die universellste aller Brennweiten. Das ist auch der Grund, weshalb viele (Hobby-)Fotografen eine solche Linse ihr Eigen nennen.

Was weniger bekannt ist: Auch mit 50mm lassen sich tolle Astrofotos aufnehmen – wenn die Kameraeinstellungen stimmen. Und genau darum geht es in diesem Beitrag.


Milchstraße mit Sony Alpha 6400 und Sony SEL-35F18, 50mm, 30 x 8sec, f/2.5, ISO 6400
Milchstraße mit Sony Alpha 6400 und Sony SEL-35F18, 50mm, 30 x 8sec, f/2.5, ISO 6400

Zugegeben: Ich war anfangs zwar absolut begeistert von den Qualitäten meines Objektivs Sony SEL-35F18 mit seinen ca. 50mm Brennweite, aber ich wäre nie auf die Idee gekommen, Astrofotos damit aufzunehmen.

Mein erster Versuch war zwar wenig erfolgversprechend. Weitere Tests bei der Aufnahme der Mai- und der Juni-Milchstraße waren dann aber äußerst vielversprechend und resultierten in sehr stimmungsvollen Bildern wie bspw. das nachfolgende:

Aufnahme des galaktischen Zentrums der Milchstraße mit 50mm
Aufnahme des galaktischen Zentrums der Milchstraße mit 50mm

50mm sind also durchaus für die AstrofotografieBei Amazon shoppen? Hier entlang...[Was ist das?Affiliate-Link] zu gebrauchen, auch wenn die ersten Versuche schwierig sind. Warum das so ist und welche Einstellungen zu meiner Meinungsänderung führten, versuche ich nachfolgend zu beschreiben.

Hintergrund: Astrofoto = Weitwinkel?

Beinahe überall im Internet finden sich Artikel und Tutorials, die die Astrofotografie mit kurzen Brennweiten von 24mmBei Amazon shoppen? Hier entlang...[Was ist das?Affiliate-Link] oder weniger beschreiben.

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Und das aus offensichtlich gutem Grund: Die maximal mögliche Belichtungszeit sinkt nämlich mit steigender Brennweite.

Nach der 500er Regel sind demnach mit 24mmBei Amazon shoppen? Hier entlang...[Was ist das?Affiliate-Link] in etwa doppelt so lange Belichtungszeiten möglich, wie mit 50mm.

Da Astrofotografie sich ohnehin immer im Grenzbereich der Technik bewegt und es darum geht, möglichst viel Licht durch große Blendenöffnungen, hohe ISO-Werte und eben lange Belichtungszeiten einzufangen, sind 50mm auf den ersten Blick nicht besonders reizvoll.

Warum dann überhaupt 50mm verwenden?

Ganz einfach: Die Normalbrennweite, wie 50mm sonst auch noch bezeichnet werden, bietet eine ziemlich „unnormale“ Perspektive auf unsere Heimatgalaxie.

Die Milchstraße erscheint – ganz im Gegensatz zu den sonst üblichen Astrofotos – im Vergleich zum Vordergrundmotiv stark vergrößert.

50mm sind somit optimal, um das galaktische Zentrum bildfüllend in Szene zu setzen und die gigantischen Dimensionen am Nachthimmel zu veranschaulichen.

Eine willkommene Abwechslung zu den sonst üblichen Aufnahmen der Milchstraße.

Belichtungszeit und Blende

Während ich mit meinem weitwinkligen Samyang 12mm f/2 und dessen Brennweite von 18mm ganz gute Ergebnisse mit 20sec Belichtungszeit erziele, beträgt diese beim SEL-35F18Bei Amazon shoppen? Hier entlang...[Was ist das?Affiliate-Link] bzw. bei 50mm nur noch magere 8sec. – Also weniger als 50% und damit auch weniger als 50% „eingefangenes Licht“.

Mit beiden Objektiven verwende ich schon die maximal mögliche Blende. Würde sie noch weiter geöffnet werden, würde man Abbildungsfehler und Unschärfen riskieren.

Beim SamyangBei Amazon shoppen? Hier entlang...[Was ist das?Affiliate-Link] bin ich mit f/2.8 und beim Sony bzw. bei 50mm mit f/2.5 unterwegs.

Die „kurze“ Belichtungszeit des 50mm-Objektivs kann daher mit 1/3 größerer Blendenöffnung nicht annähernd ausgeglichen werden.

Höherer ISO-Wert, mehr Bildrauschen

Um die geringere Lichtmenge zu kompensieren, muss als letzter möglicher Parameter der ISO-Wert erhöht werden.


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Für meine Aufnahmen habe ich ihn verdoppelt, um die kürzere Belichtungszeit auszugleichen: Vom sonst üblichen ISO-Wert „3200“ geht es damit rauf auf ISO 6400.

Stärkeres Bildrauschen als Kompromiss

Normalerweise bin ich mit meiner Sony Alpha 6400 und ihrem APS-C-Sensor mit ISO 3200 schon im Grenzbereich unterwegs. Einzelbilder mit ISO 6400 sind dagegen wegen des starken Bildrauschens beinahe schon unansehnlich bei stärkerer Vergrößerung der Aufnahmen und machen wirklich keinen Spaß.

Besitzt Du eine Vollformatkamera mit größerem Sensor, dürfte das Problem jedoch nicht allzu sehr ins Gewicht fallen. Vollformatsensoren erzeugen deutlich weniger Bildrauschen, als der APS-C-Sensor meiner Alpha 6400Bei Amazon shoppen? Hier entlang...[Was ist das?Affiliate-Link].

Stacking zur Reduzierung des Bildrauschens

Die übliche Lösung für das Problem heißt Stacking. Wenn Du bereits andere meiner Beiträge gelesen hast, weißt Du vielleicht, dass ich absolut überzeugter „Astrofoto-Stacker“ 😉 bin und inzwischen auf Sequator als Hilfsmittel (leider Windows-only) schwöre.

Stacking halte ich für ein absolutes Muss, wenn die Brennweite 50mm in Kombination mit ISO 6400 und einem APS-C-Sensor zum Einsatz kommt. Das Bildrauschen ist anderenfalls deutlich zu stark ausgeprägt und zu viele Details gehen verloren.

Ich nehme daher je Motiv bis zu 30 Fotos zum Stacken auf und füge diese später in Sequator zusammen. Hört sich viel an, ist aber bei 8sec Belichtungszeit je Aufnahme deutlich schneller als mit 20sec je Aufnahme bei meinem Weitwinkel-Objektiv (240sec vs. 600sec).

Tipp: Wenn Du grundsätzlich am Entwicklungsprozess von Astrofotos mit darktable, GIMP und Sequator interessiert bist, empfehle ich das Tutorial Astrofotografie: Milchstraße im August 2021. Im Schritt Sequator: Stacking von Astrofotos der Milchstraße (2/4) ist der Stacking-Prozess ausführlich beschrieben.

Optimale Blende

Große, lichtstarke Blenden sind natürlich Pflicht bei der Astrofotografie. Die gewählte Blende sollte – unabhängig von der Brennweite – mindestens f/2.8 betragen.

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Noch größere Blendenöffnungen sind bei 50mm sinnvoll, um den kürzeren Belichtungszeiten effektiv entgegenzuwirken. Allerdings solltest Du wegen Abbildungsfehlern vermeiden, bei Offenblende zu fotografieren – mit jedem ObjektivBei Amazon shoppen? Hier entlang...[Was ist das?Affiliate-Link].

Mein SEL-35F18 verfügt bspw. über eine Maximalblende von f/1.8 und ich kann brauchbare Astrofotos mit f/2.5 damit machen. Dann bin ich mit der Schärfe absolut zufrieden.

Experiment: Belichtungszeit 10sec

Da die 500er Regel nur einen groben Anhaltspunkt bietet, experimentier(t)e ich mit verschiedenen Belichtungszeiten.

Um die auf den Sensor einfallende Lichtmenge zu maximieren, ohne den ISO-Wert in die Höhe zu treiben, versuchte ich anstatt 8sec auf 10sec zu gehen:

100% Crop des galaktischen Zentrums der Milchstraße mit Sony SEL-35F18, 50mm, 10sec, f/2.8
100% Crop des galaktischen Zentrums der Milchstraße mit Sony SEL-35F18, 50mm, 10sec, f/2.8

Im Vergleich dazu ein Bildausschnitt mit 8sec Belichtungszeit:

100% Crop des galaktischen Zentrums der Milchstraße mit Sony SEL-35F18, 50mm, 8sec, f/2.8
100% Crop des galaktischen Zentrums der Milchstraße mit Sony SEL-35F18, 50mm, 8sec, f/2.8

Als Ergebnis bleibt bei genauerer Betrachtung folgendes festzuhalten: Sowohl bei 8sec als auch bei 10sec Belichtungszeit sind schon Sternspuren zu sehen. Diese sind aber bei 10sec ausgeprägter.

Jedoch sind die entstehenden Bilder auch mit 10sec durchaus auch brauchbar:

Milchstraße mit Sony Alpha 6400 und Sony SEL-35F18, 50mm, 30 x 10sec, f/2.5, ISO 6400
Milchstraße mit Sony Alpha 6400 und Sony SEL-35F18, 50mm, 30 x 10sec, f/2.5, ISO 6400

Wie so oft muss man bei der Astrofotografie den besten Kompromiss für sich selbst finden.

Die Strichbildung der Sterne ist – wenn überhaupt – nur bei starker Vergrößerung erkennbar.

Da sich die Bildqualität bzw. Helligkeit aber nicht grundlegend vom ersten Bild des Beitrags unterscheiden, welches mit 8sec aufgenommen wurde, gibt es für mich keinen Grund, höhere Belichtungszeiten als 8sec mit 50mm Brennweite zu verwenden.


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Optimal wären vermutlich 5sec Belichtungszeit zur vollständigen Vermeidung der Strichspuren. Da sich mit einer so kurzen Belichtungszeit nicht genügend Licht einfangen und somit keine brauchbaren Astrofotos aufnehmen lassen, verwende ich 8sec als Kompromiss und kann damit ganz gut leben. 😉

Fazit: Optimale Kameraeinstellungen

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass folgende Kameraeinstellungen mit einer 50mm Brennweite optimal sind:

  • Belichtungszeit: 8sec
  • Blende: Mindestens f/2.8
  • ISO-Wert: 6400
  • Stacking ist bei der Astrofotografie mit 50mm Pflicht

Die Ergebnisse, die ich mit meinem SEL-35F18 bisher erzielt habe, haben mich selbst positiv überrascht.

Ursprünglich als Experiment gedacht, liebe ich inzwischen die Perspektive von Astrofotos mit der „langen“ Brennweite.

Hast Du bereits Erfahrungen mit dieser Brennweite gemacht? Wie zufrieden bist Du damit? Schreib‘ gerne unten einen Kommentar.


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2 Kommentare zu „Astrofotografie mit 50mm: Optimale Kameraeinstellungen“

  1. Rolf Steinebrunner

    Hallo Hendrik,
    Danke für den informativen Bericht Bin noch am einlesen und probieren.
    Und für jede Info dankbar.

    Gruss
    Rolf

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