Seit Februar erhebt sich das galaktische Zentrum der Milchstraße in mondlosen, sternenklaren Nächten wieder über den Horizont. Nachdem ich im letzten Jahr entschieden zu selten unterwegs war, um Astrofotos zu schießen, konnte ich es während des Winters nicht erwarten, bis sich endlich die nächste Gelegenheit bot.
In der Nacht vom 18. auf den 19. März bot sich die erste Gelegenheit des Jahres, die ich auch gleich nutzte.
Inhalt:
Wetter- und Sichtbedingungen
Die Wettervorhersage prophezeite einen sternenklaren Himmel und winterlich kalte Temperaturen von ca. 3°C. Außerdem war Neumond, sodass theoretisch ideale Voraussetzungen herrschen sollten.
Als ich mich auf den Weg machte, war ich etwas über die tatsächliche Temperatur verwundert: Das Thermometer zeigte ziemlich milde 9°C an.
An der vortags ausgekundschafteten Location kam ich um 04:30 Uhr an. Exakt an dieser Stelle hatte ich bereits im Frühjahr 2023 ein tolles Landschafts-Astrofoto geschossen und einen Stapel Brennholz in Szene gesetzt.
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Wegen der milden Temperaturen war die Sicht leider relativ dunstig, zudem war der Horizont wegen einer naheliegenden Ortschaft ziemlich lichtverschmutzt. Mit der Lichtverschmutzung hatte ich schon vor drei Jahren zu kämpfen, doch diese Tatsache hatte ich zwischenzeitlich wieder vergessen bzw. verdrängt. Meine Hoffnung auf ein schönes Astrofoto schwand allmählich dahin.
Die endgültige Aufnahmeserie wollte ich gegen 05:10 Uhr machen. Zu dieser Zeit hatte die Sonne bereits eine Elevation von annähernd -15° erreicht. Spätestens dann würden sich auf den Langzeitbelichtungen die ersten bläulichen Ausläufer des Tages zeigen. Diesen Kompromiss musste ich allerdings wegen der frühen Jahreszeit in Kauf nehmen, da ansonsten das galaktische Zentrum nicht hoch genug am Himmel gestanden hätte und von den hiesigen Bergen verdeckt worden wäre.
Motiv
Im Unterschied zum letzten Bild sollte diesmal nicht ein Brennholzstapel das Hauptmotiv bilden, sondern ein Landwirtschaftsanhänger, der glücklicherweise vor einigen Wochen genau am richtigen Ort achtlos abgestellt wurde:

Ausrüstung: Standardkost
Wie üblich war ich wieder mit meinem Standard-Equipment und – wieder – ohne meinen Startracker unterwegs. D.h.:
- Kamera: Sony Alpha 7 III
- Objektiv: Sony SEL24F14GM
(Als Backup hatte ich noch das SEL20F18G im Gepäck, dieses kam allerdings nicht zum Einsatz) - Stativ: Rollei-0815-Travel-Stativ mit kompakten Abmessungen
Kameraeinstellungen
Die Kameraeinstellungen waren diesmal eine Herausforderung: Zum einen spürte ich die fehlende Routine bei der Bedienung meiner Kamera im Dunkeln, da ich im letzten Jahr eher selten unter dem Sternenhimmel unterwegs war. Zum anderen wusste ich, dass ich bei weit geöffneter Blende den Vordergrund mit dem SEL24F14GM nur unscharf einfangen konnte.
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Ich entschied mich daher für zwei getrennte Belichtungsreihen:
- Für den Hintergrund machte ich 16 Aufnahmen mit Blende f/2, 13sec Belichtungszeit und ISO 800 (Stichwort: Iso-Invarianz!)
- Für den Vordergrund entschied ich mich für 8 Aufnahmen mit Blende f/4, 30sec Belichtungszeit und ebenfalls ISO 800 (Stichwort: Hyperfokale Distanz)
Sicher hätte ich auch einfach für die zweite Aufnahmeserie auf den Vordergrund fokussieren können, jedoch habe ich mit Fokus-Breathing (d.h. das Bild wird beim Fokussieren leicht größer oder kleiner) schlechte Erfahrungen im Zuge der Nachbearbeitung bzw. beim Zusammenfügen von Vorder- und Hintergrund.
Mein Favorit für die Landschafts-Astrofotografie: Sony FE 20mm f/1.8 G* |
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PREISMONITOR nutzen!Hinter mir befanden sich zudem in größerer Entfernung zwei Straßenlaternen, die den Anhänger mit sanftem Licht anstrahlten und so dessen Konturen betonten.
Entwicklung: Das Übliche
Bei der Entwicklung ging ich wie üblich mit Sequator, Adobe Photoshop und dem Photoshop-Plugin „StarXTerminator“ zur Sache und verschmolz den mit Sequator gestackten Hintergrund mit der Aufnahmereihe des Vordergrunds (Stichwort: Ebene > Smart-Objekte > Stapelmodus > Median).
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Das Ergebnis: Lichtverschmutzung trifft Sonnenaufgang
Trotz der schlechten Sichtverhältnisse ist das Resultat eigentlich ganz ordentlich:

Sony Alpha 7 III mit SEL24F14GM, 24mm, 16 x 13sec @ f/2.0 (HG) + 8 x 30sec @ f/4 (VG), ISO 800
Das Bild lebt vor allem von den Farben am Himmel, die auf der linken Bildhälfte durch die Lichtverschmutzung und auf der rechten Häfte durch den sich allmählich blau färbenden Morgenhimmel entstanden.
Fazit
Der Start in die neue Saison war super. Das Warten hat sich gelohnt und ich hoffe, dass ich auch im April wieder ein interessantes Motiv entdecke und es die Wetterverhältnisse erlauben, die Milchstraße abzulichten.
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Weiterführende Themen:
- Astrofotografie: Einstieg & Basiswissen
- Astrofotografie FAQ: Häufige Fragen einfach erklärt. Voraussetzungen, Kameraeinstellungen, Bildentwicklung.
- Astrofotografie-Kalender: Mond, Sternschnuppen, Milchstraße und Deep Sky-Objekte auf einen Blick
- Lichtverschmutzung in der Astrofotografie
- Howto: Sonnenaufgang fotografieren

