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Astrofotografie & Lichtverschmutzung

Zuletzt aktualisiert am 27.06.2022 von Hendrik


Lichtverschmutzung wird zunehmend zum Problem – insbesondere in Europa und Deutschland. Dichte Bebauung sowie expandierende Städte und Gemeinden bilden helle Lichtkuppeln am Horizont und erschweren die Astrofotografie ungemein.

Wie Du am besten mit dieser Tatsache umgehen und diese sogar zu Deinem Vorteil nutzen kannst, erfährst Du im nachfolgenden Beitrag.


Aufnahme der Milchstraße mit starker Lichtverschmutzung am Horizont
Aufnahme der Milchstraße mit starker Lichtverschmutzung am Horizont

In mehreren Beiträgen habe ich bereits erwähnt, dass ich meine Astrofotos überwiegend in Gebieten der Bortle Klasse 4 mache.

Nach der offiziellen Definition auf Wikipedia bedeutet das, dass ich mich im Übergangsbereich zwischen Stadt und Land befinde.


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Bedeutet weiter: Die Milchstraße ist zwar als Band deutlich am Himmel zu sehen, es mangelt jedoch an Kontrast. Am Horizont sind oft Lichtkuppeln der umliegenden Städte und Gemeinden zu sehen, die Details der Milchstraße verschlucken.

Ich hätte es aber auch noch schlimmer treffen können, denn der Großteil der deutschen Bevölkerung wird in Regionen der Bortle Klassen 5 bis 9 leben. Letztere Klasse 9 entspricht einer Innenstadt. Sogar manche Sterne der hell leuchtenden Sternenbilder sind dort nicht mehr zu sehen.

Im Internet findet man dagegen viele Aufnahmen der Milchstraße, die unter idealen Bedingungen in Gebieten der Bortle Klasse 2 oder gar 1 entstanden sind.

Gerade die im Vergleich dazu schwierige Situation in meiner Region reizt mich jedoch an der Astrofotografie: Es erstaunt mich nämlich immer wieder, wie viele Details sich aus Aufnahmen im Rahmen der Nachbearbeitung noch herausholen lassen.

Dank moderner Entwicklungsmethoden entstehen so Bilder, die trotz Lichtverschmutzung den Vergleich mit Gebieten der Bortle Klassen 3 und 2 nicht zu scheuen brauchen. – Allerdings erfordert die Entwicklung mehr Arbeit, um die Lichtverschmutzung in Schach zu halten. Und letztendlich geht es auch gar nicht um Vergleiche, sondern um die Stimmung, die auf den Bildern festgehalten wurde. 😉

Wie man mit Lichtverschmutzung bei der FotografieBei Amazon shoppen? Hier entlang...[Was ist das?Affiliate-Link] vermeidet, reduziert oder sogar zu seinen eigenen Gunsten nutzen kann, werde ich im weiteren Verlauf des Beitrags behandeln.

Wie entsteht Lichtverschmutzung?

Zu Beginn nochmal kurz zur grundlegenden Frage, wie Lichtverschmutzung überhaupt entsteht.

Ganz einfach: Die Haus- und Straßenbeleuchtung von Städten, Gemeinden und auch Industriegebieten strahlt nachts ihr helles Licht in den Himmel ab.

Je höher die Besiedelungsdichte, desto größer ist beinahe zwangsläufig auch die Lichtverschmutzung.

In Deutschland gibt es zwar auch dunkle Regionen, die explizit als Sternenparks ausgewiesen sind. Jedoch handelt es sich hierbei gerade einmal um eine handvoll Gebiete.


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Den Aufwand, extra für Astrofotos dorthin zu reisen, werden die wenigsten in Kauf nehmen wollen: Das Wetter kann einem nur allzu oft einen Strich durch die Rechnung machen. Im schlimmsten Fall nimmt man eine lange Fahrt auf sich und stellt dann vor Ort fest, dass die Wettervorhersage falsch war und kann überhaupt keine Bilder machen.

Viel einfacher ist es daher aus meiner Sicht, die Gegebenheiten vor Ort zu nutzen und in nächster Umgebung sein Glück zu versuchen. – Auch wenn man dabei ein paar Kompromisse eingehen muss. Astrofotos bei idealen Bedingungen aufnehmen kann ja jeder. 😉

Wie wirkt sich Lichtverschmutzung auf Astrofotos aus?

Lichtverschmutzung erschwert vor allem grundsätzlich die Nachbearbeitung.

Da Astrofotos von Natur aus sehr dunkel sind und in der Regel die Belichtung nach oben korrigiert werden muss, um überhaupt Details im Sternenhimmel erkennen zu können, brennen dabei lichtverschmutzte Stellen (die viel heller sind, als die Umgebung) auf dem Bild schnell aus und Farbnuancen gehen verloren.

Das nachfolgende Bild zeigt exemplarisch eine Aufnahme der Milchstraße mit deutlicher Lichtverschmutzung am Horizont:

Lichtverschmutzung am Horizont führt auch auf den entwickelten Bidlern zu Lichtkuppeln, die sich nur schwer entfernen lassen
Lichtverschmutzung am Horizont führt auch auf den entwickelten Bidlern zu Lichtkuppeln, die sich nur schwer entfernen lassen

Die Lichtkuppeln am Horizont verschlucken viele Details der Milchstraße. Da das galaktische Zentrum in unseren Breitengraden in der Spitze nur etwa 12 bis 13° über dem Horizont steht, wird es schnell vom Licht der umgebenden Siedlungen überlagert und ist auf den Bildern im schlimmsten Fall nicht mehr zu sehen.

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Wie wirkt man Lichtverschmutzung bei der Fotografie entgegen?

Dazu gibt es zwei praktikable Möglichkeiten:

  1. Entweder man lebt mit der Lichtverschmutzung und integriert diese ggf. ins Bild oder
  2. Man sucht sich seinen Standort so aus, dass in Richtung der Milchstraße keine / kaum Lichtverschmutzung vorherrscht.

Lösung 1: Ins Bild integrieren

Folgendes Bild habe ich im Sommer 2020 aufgenommen:

Milchstraße direkt über einer angrenzenden Kleinstadt mit starker Lichtverschmutzung
Milchstraße direkt über einer angrenzenden Kleinstadt mit starker Lichtverschmutzung

Die Lichtverschmutzung stört mich in diesem Bild nicht allzu sehr. Ganz im Gegenteil: Mir gefällt die Lichtkuppel am Horizont, da diese das Geschehen dramatischer und interessanter wirken lässt.

Klar zu sehen ist an diesem Beispiel aber auch, wie Details der Milchstraße vom Licht überlagert werden und verloren gehen. Das galaktische Zentrum wird beinahe vollständig vom Umgebungslicht verschluckt.

Auch wenn mir das Bild gefällt, stellt diese Methode für mich in der AstrofotografieBei Amazon shoppen? Hier entlang...[Was ist das?Affiliate-Link] nur eine Notlösung dar. Viel lieber versuche ich, die Lichtverschmutzung von vorne herein auf meinen Aufnahmen zu vermeiden.

Lösung 2: Vermeidung durch geschickte Standortwahl

Tatsächlich kann man auch in Regionen mit starker Lichtverschmutzung tolle Bilder der Milchstraße aufnehmen, die keine bzw. kaum Störquellen enthalten.


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In meinem Fall habe ich das Glück, dass ich zwar einerseits meine Fotos überwiegend in einer Bortle 4-Region mache (siehe oben), sich jedoch andererseits in Richtung der Milchstraße am Horizont die Ausläufer des Nordschwarzwalds befinden. In diese Himmelsrichtung ist die Besiedelung dünn und die Lichtverschmutzung gering:

Trotz Bortle 4 kaum Lichtverschmutzung am Horizont
Trotz Bortle 4 kaum Lichtverschmutzung am Horizont

Wie ich selbst erst lernen musste, ist nämlich nicht jegliches Umgebungslicht problematisch, sondern insbesondere diejenigen Störquellen, die später auch auf dem FotoBei Amazon shoppen? Hier entlang...[Was ist das?Affiliate-Link] direkt zu sehen sind bzw. in deren Richtung man fotografiert.

Heißt konkret: Störquellen links, rechts oder hinter der Kamera sind nicht allzu problematisch (solange es keine Flutlichter sind 😉 ). Wichtig ist die Vermeidung VOR der Kamera.

PhotoPills-Planer als Möglichkeit zur Vermeidung

Eine hilfreiche Möglichkeit zur Standortsuche und zur Vermeidung von Störquellen bietet die Planer-Funktion der App PhotoPills:

Auf einer Karte kann man dort – ganz im Stil der Satellitenansicht von Google Maps – den eigenen Standort und die Richtung der Milchstraße bzw. des galaktischen Zentrums sehen. Seinen Standort wählt man dabei idealerweise so, dass sich auf der Geraden zwischen eigener Position und Milchstraße keine / wenige Störquellen befinden:

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Schon eine Positionsveränderung um wenige Meter kann hier große Unterschiede in der resultierenden Bildqualität ausmachen.

Wie reduziert man Störlicht bei der Bildentwicklung?

Ganz klar ist die vorgenannte Variante die bessere Wahl: Lichtverschmutzung sollte erst gar nicht auf den Fotos zu sehen sein.

Oft hat man jedoch kaum eine Wahl und muss bis zu einem gewissen Grad mit den gegebenen Umständen bzw. mit der Lichtverschmutzung leben.

Im Rahmen der Nachbearbeitung stehen in darktable (bzw. Adobe Lightroom) glücklicherweise ein paar Hilfsmittel zur Reduzierung zur Verfügung:

Durch Verlaufsmasken lassen sich bspw. diejenigen Bereiche, die Lichtverschmutzung enthalten, maskieren.

Für diese Bereiche kann daraufhin die Belichtung dezent nach unten korrigiert werden.

Eine zusätzliche Möglichkeit besteht in der Reduzierung der Lichter-Kontraste im Modul „Lokaler Kontrast“ auf 0%.

Mit beiden Varianten habe ich schon tolle Ergebnisse erzielt.

Wunder darf man sich davon aber nicht erhoffen: Ist die Lichtverschmutzung zu ausgeprägt, gerät auch die Nachbearbeitung an ihre Grenzen.

Die vorgenannten Tipps habe ich bei der EntwicklungBei Amazon shoppen? Hier entlang...[Was ist das?Affiliate-Link] des nachfolgenden Bildes der Juli-Milchstraße angewandt. Die Lichtverschmutzung ist zwar nach wie vor zu sehen, jedoch nicht störend und die Details der Milchstraße sind ebenfalls direkt über dem Horizont deutlich zu erkennen:

Juli-Milchstraße mit reduzierter Lichtverschmutzung am Horizont
Juli-Milchstraße mit reduzierter Lichtverschmutzung am Horizont

Wie stark ist die Lichtverschmutzung in meiner Region?

Wenn Du herausfinden möchtest, wie stark die Lichtverschmutzung in Deiner Region ist, dann ist ein Blick auf die Seite Light pollution map hilfreich.

Auf diese Weise findest Du mit ein bisschen Glück Locations in Deiner Umgebung, die möglichst wenig lichtverschmutzt sind.

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Fakt ist aber auch, dass die Standortsuche mitunter viel Geduld und Kreativität erfordert.

Vorteile der Lichtverschmutzung: Die Milchstraße länger fotografieren

Richtig gelesen! Wenn schon Lichtverschmutzung häufig unsere Aufnahmen stört, kann man sie sich wenigstens zunutze machen.

Normalerweise gilt die Regel, dass beste Bedingungen zur Astrofotografie bzw. zur Fotografie der Milchstraße herrschen, sobald die es absolut dunkel ist (irgendwie logisch, oder? 😉 ). Interessant zu wissen: Dieser Zustand wird erreicht, wenn die Sonne mehr als -18° unter dem Horizont steht. Vorher streut sich ihr Restlicht noch in der Atmosphäre und hellt die Fotos auf:

Keine absolute Dunkelheit: Die Sonne stand noch nicht tief genug unter dem Horizont
Keine absolute Dunkelheit: Die Sonne stand noch nicht tief genug unter dem Horizont

Jetzt die gute Nachricht: Da man meist sowieso mit Lichtverschmutzung leben muss, wird nie absolute Dunkelheit erreicht. – Zumindest nicht in meiner Bortle Klasse 4-Region.

Das bedeutet weiter, dass die Sonne nicht erst -18° unter den Horizont wandern muss, sondern schon bei ca. -15° kein Unterschied auf meinen Aufnahmen mehr sichtbar ist:

Bortle Klasse 4: Dunkler wird es nicht. Foto aufgenommen bei einem Sonnenstand von -15°.
Bortle Klasse 4: Dunkler wird es nicht. Foto aufgenommen bei einem Sonnenstand von -15°.

Das atmosphärische Streulicht der Sonne ist dann zwar noch vorhanden, aber dennoch dunkler, als die umgebende Lichtverschmutzung.

Der Clou an dieser Tatsache ist, dass diese Differenz von nur 3° das Zeitfenster zur Fotografie um ca. 30min erweitert.

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Beispiel: Mitte August herrscht erst ab etwa 23 Uhr absolute Dunkelheit. Ein Sonnenstand von -15° wird jedoch bereits um 22:30 Uhr erreicht. Die galaktische Zentrum der Milchstraße steht dann sogar mit 11,8° noch höher am Horizont, als mit 10,8° gegen 23 Uhr und lässt sich einfacher fotografieren.

Fazit

Lichtverschmutzung ist störend – keine Frage.

Da die meisten jedoch nicht in abgelegenen Gegenden leben und auch keine langen Anfahrtswege in Kauf nehmen möchten, stehen glücklicherweise einige Hilfsmittel bei der Planung, Durchführung und EntwicklungBei Amazon shoppen? Hier entlang...[Was ist das?Affiliate-Link] von Astrofotos zur Verfügung.

Beherzigst Du die vorgenannten Tipps, wirst Du auch in lichtverschmutzten Regionen tolle Aufnahmen machen können.


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2 Kommentare zu „Astrofotografie & Lichtverschmutzung“

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