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Astrofotografie: darktable oder GIMP?

Zuletzt aktualisiert am 03.06.2023 von Hendrik


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GIMP & darktable

Wie Du ggf. aus meinen diversen Beiträgen auf meinem Blog weißt, verwende ich zur Entwicklung meiner Astrofotos die Kombination darktable und GIMP (und Sequator, sofern ich Stacking nutzen möchte). Die große Frage ist, wo man die Grenze zwischen den Tools zieht bzw. welches Tool sich für welche Prozessschritte besser eignet. Genau hierüber befasst sich der nachfolgende Beitrag.

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Anfangs habe ich meine Fotos ausschließlich in darktable entwickelt. Das ging auch ganz gut und ich konnte tolle Erfolge damit erzielen. Je mehr ich mich aber mit der Materie befasste, desto eher stieß ich an Grenzen. So hatte ich trotz leistungsfähiger Hardware ab einem gewissen Punkt in darktable mit Performance-Problemen zu kämpfen. Diese stellten sich insbesondere dann ein, wenn ich mit den Modulen „Kontrast Equalizer“ sowie „Hoch- und Tiefpasstfilter“ arbeitete. Abhilfe schaffen konnte ich nach einiger Recherche zwar mit einer OpenCL-fähigen Grafikkarte, dennoch erreichte ich bei der Bearbeitung mit den darktable-eigenen Formen (Verlaufsform, Kreis, Ellipse etc.) nicht das gewünschte Ergebnis. Ich tat mir gleichzeitig aber schwer damit, ein weiteres Tool auszuprobieren, da alleine schon das Erlernen der grundlegenden Funktionen von darktable mehr als zeitintensiv war.

Nichtsdestotrotz installierte ich irgendwann GIMPBei Amazon shoppen? Hier entlang...[Was ist das?Affiliate-Link], mit dem ich schon Anfang der 2000er Jahre (wenig positive) Erfahrungen sammeln konnte. Schnell merkte ich, dass GIMP im Vergleich zu darktable einige Vorzüge hatte, deren Verwendung sich durchaus lohnte und so kam es, dass ich heute fest vom Duo darktable & GIMP überzeugt bin. Beide Tools sind übrigens plattformübergreifend für Windows und Linux verfügbar.

Große Schnittmenge von darktable und GIMP

Für mein Dafürhalten haben darktableBei Amazon shoppen? Hier entlang...[Was ist das?Affiliate-Link] und GIMP naturbedingt im Hinblick auf die Entwicklung von Astrofotografie eine große Schnittmenge an Funktionen. So lassen sich in beiden Tools Anpassungen wie etwa die Korrektur des Weißabgleichs, Farbkurven- und Grau-, Weiß- sowie Schwarzpunktverschiebungen mittels des Werte-Moduls vornehmen. Ganz zu schweigen von der Anpassung des Kontrasts und der Sättigung. In welchem Tool welche Anpassung vorgenommen wird, hängt maßgeblich auch vom persönlichen Geschmack und vom eigenen Workflow ab. So macht es durchaus Sinn, einige Schritte vor dem Stackingprozess in darktable durchzuführen, andere wiederum gegen Ende des Entwicklungsprozesses in GIMP.


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Stärken von darktable in der Astrofotografie

Ganz klar die größte Stärke zuerst: darktable ist auf die Bearbeitung von RAW-Dateien getrimmt. In der Regel kann man damit bei „normalen“ Fotos durch die Vielzahl verfügbarer Module und eine stetige Weiterentwicklung der Software und aktive Community sehr schnell sehr gute Ergebnisse erzielen.

Leider sind aber Astrofotos nicht „normal“, sondern verlangen nach einer Menge an Bearbeitungsschritten, die schnell und deutlich über die gewöhnlicher Fotos hinausgehen.

Bis zu einem gewissen Grad ist darktable hierfür bestens geeignet, insbesondere für die nachfolgenden Module und Funktionen:

Chromatische Aberrationen entfernen

Chromatische Aberrationen, d.h. Abbildungsfehler in der Optik, die durch verschiedene Wellenlängen des Lichts entstehen, lassen sich im gleichnamigen Modul in darktable mit einem Klick beseitigen. Die Entfernung solcher Abbildungsfehler ist vor allem dann zu Beginn des Bearbeitungsprozesses wichtig, wenn danach gestackt werden soll.

Zwar lassen sich chromatische Aberrationen auch mit GIMP entfernen, jedoch wäre das im Workflow (zumindest in meinem Workflow) zu spät, da die Bearbeitung in GIMP erst nach dem Stacking erfolgt. In darktable steht die Funktion außerdem nur für RAW-Dateien zur Verfügung, sodass der Schritt ohnehin vor dem Stacking erfolgen sollte.

Objekivkorrektur

Durch die Objektivkorrektur werden die bei der Astrofotografie üblichen Verzerrungen und Vignettierungen der meist eingesetzten Weitwinkelobjektive ebenfalls per Knopfdruck entfernt (sofern man kein manuelles Objektiv wie das Samyang 12mm f/2.0Bei Amazon shoppen? Hier entlang...[Was ist das?Affiliate-Link] verwendet, wie in meinem Fall. Doch das ist eine andere Geschichte bzw. ein anderer Beitrag).

Für die Objektivkorrektur gilt das Gleiche, wie für die Entfernung chromatischer Aberrationen: Die Objektivkorrektur ist zur Steigerung der Stacking-Ergebnisse nötig und empfiehlt sich daher auch vor dem Stacking in darktable durchzuführen.


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Tote Pixel entfernen

Tote Pixel lassen sich ebenfalls per Knopfdruck entfernen – und diese gibt es bei der Astrofotografie mit hohen ISO-Empfindlichkeiten und langen Belichtungszeiten je nach Sensor zur Genüge. Bei meiner RX100IVBei Amazon shoppen? Hier entlang...[Was ist das?Affiliate-Link] hatte ich tlw. mehrere tausend tote Pixel in einem einzigen Foto. Die Funktion steht in darktable nur für RAW-Dateien zur Verfügung und sollte daher zu Beginn des Prozesses angewandt werden.

Kontrast Equalizer

Der Kontrast Equalizer ist ebenfalls ein mächtiges Instrument für die (lokale) Anpassung von Kontrasten und eines der stärksten Argumente für die Bearbeitung mit darktable. In diesem Modul kann zwischen feinen und groben Bildelementen differenziert werden – das perfekte Mittel, um schwache Konturen der Milchstraße in lichtverschmutzten Regionen herauszuarbeiten oder deren feinste Farbnuancen mittels „Chroma“ verstärken. Dem Modul werde ich in absehbarer Zukunft einen extra Beitrag widmen, da dessen Möglichkeiten hier zu weit führen würden.

Verlaufsformen

Verlaufsformen sind DIE Stärke von darktable und ermöglichen fließende Übergänge auf Knopfdruck. Ich setze sie zur Abgrenzung der Milchstraße zum übrigen Sternenhimmel und zur gezielten Anpassung ihrer feinen Strukturen ein. Verlaufsformen ermöglichen hierbei, wie der Name schon sagt, einen frei konfigurierbaren Übergangsbereich, sodass sich diese Formen nahtlos und unauffällig ins restliche Bild einfügen, ohne dass ein direkter Übergang sichtbar wäre.

Wegen ihrer Eigenschaften eignen sich Verlaufsformen nicht nur für die partielle Anhebung des Kontrasts der Milchstraße, sondern auch für etwa die Anpassung der Sättigung oder die Anwendung des Velvia-Moduls. Zwar können diese Änderungen auch mit GIMPBei Amazon shoppen? Hier entlang...[Was ist das?Affiliate-Link] durchgeführt werden, jedoch ist die Durchführung der Anpassungen in darktable dank der Verlaufsformen erheblich einfacher, sofern – und das ist das Unterscheidungskriterium zu GIMP – die anzupassenden Bereiche klar abgegrenzt und nicht fein verzweigt sind.

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Stärken von GIMP in der Astrofotografie

Natürlich hat GIMP einen anderen Fokus, als darktable. Sicherlich gibt es auch, wie ich weiter oben bereits beschrieb, einen großen Überlappungsbereich zwischen beiden Tools, in dem sie gleichauf sind. Dennoch hat GIMP in meinen Augen in zwei Punkten klar die Nase gegenüber darktable vorn:

Ebenenkonzept

Das Ebenenkonzept bietet in GIMP ungeahnte Möglichkeiten in der AstrofotografieBei Amazon shoppen? Hier entlang...[Was ist das?Affiliate-Link]: Durch das Freistellen und Herauslösen von Objekten lassen sich einzelne Bildbestandteile auf unterschiedlichen Ebenen völlig getrennt voneinander bearbeiten. Ich stelle bspw. immer den Vordergrund frei und passe dessen Sättigung und Belichtung an, um ihn später über das eigentliche Bild zu legen. So bleiben dessen Farben und Kontraste erhalten, obwohl ich bspw. den Hintergrund stark abdunkle und den Kontrast erhöhe, um die Milchstraße herauszuarbeiten.

Ohne das Ebenenkonzept hätte man die Qual der Wahl: Soll der Himmel richtig belichtet werden ODER der Vordergrund? Beides gleichzeitig geht nicht. Da bei der Astrofotografie vor allem der Himmel im Fokus steht, würde durch die nötigen Kontrastanhebungen zwangsläufig der Vordergrund „absaufen“ bzw. nur noch als schwarze Konturen erkennbar sein.

In darktable kann man sich bei dieser Problematik zwar wiederum mit den diversen Formen und Masken behelfen, aber nur in begrenztem Umfang. Die Ebenenlösung ist für die zuvor geschilderten Fälle immer die bessere Wahl.

Ebenenmasken

Ebenenmasken ermöglichen in GIMP, Teile eines Bilds bzw. dessen Ebene transparent zu machen und die darunterliegende Ebene durchscheinen zu lassen. So kann man ganz gezielt Bereiche anpassen und scharf abgrenzen, indem man deren Deckkraft bzw. Transparenz durch Weiß- und Schwarzschattierungen steuert. Wenn man das Prinzip dahinter erst einmal verstanden hat, dann stellen Ebenenmasken ein ebenso mächtiges Instrument bei der Bearbeitung von Astrofotos dar, wie dies weiter oben für den Kontrast Equalizer in darktable gilt. Ich setze Ebenenmasken insbesondere für die oben erwähnte Freistellung des Vordergrunds oder für Farbverlaufsfilter zur Reduzierung der Lichtverschmutzung ein.


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Fazit

Dies war ein kurzer Abriss über die Stärken und Schwächen von GIMP und darktable. Letzten Endes verwende ich darktable inzwischen für die grundlegenden Anpassungen im Zuge der RAW-Entwicklung sowie für das Herausarbeiten der feinen Strukturen der Milchstraße – insbesondere mit dem o.g. Kontrast Equalizer.

Mithilfe des „GIMP’schen Ebenenkonzepts“ finalisiere ich dann letztendlich die in darktable entwickelten und ggf. mit Sequator gestackten Fotos, indem ich dort den Kontrast weiter erhöhe, den Himmel abdunkle bzw. Lichtverschmutzung beseitige, Sterne reduziere und entrausche sowie den Vorder- und den Hintergrund voneinander trenne und separat voneinander entwickle. Mir gefallen die Ergebnisse, die ich bei der Finalisierung mit GIMP erziele, einfach besser, als die mit darktable.

Knackpunkt bzw. größter Unterschied zwischen den beiden Tools ist – aus meiner Sicht – dass zwar die Verlaufsformen in darktable super praktisch sind, um die Milchstraße einzugrenzen und gezielt zu entwickeln, jede dieser Formen jedoch aus einer Geraden besteht. Man kann zwar mehrere Verlaufsformen zu einer Maske kombinieren, oder gar Freihandformen verwenden, allerdings stößt man hier schnell bei der Bearbeitung bzw. bei der Selektion komplexerer Motive (Beispiel: Ein Baum mit Zweigen und Blättern) an seine (Gedulds-)Grenze. Ab einem gewissen Punkt wird darktable auch träge in der Bedienung. Das geht erheblich einfacher und nervenschonender mit Masken und den diversen Freistellungsmodulen in GIMP.

Wenn ich mir ein Feature für GIMP wünschen könnte, dann wären das die Verlaufsformen, wie ich sie aus darktable kenne. Das würde sicherlich die Arbeit immens vereinfachen und beschleunigen. Zwar kann man sich in GIMP mit den Farbverlaufsfiltern behelfen, jedoch ist dieses Procedere mit erheblich mehr Einzelschritten verbunden und somit aufwendiger, sodass darktable hier klar die Nase vorn hat.

Abschließend greife ich die eigentliche Frage des Beitrags, nämlich „Welches Tool ist besser?“ nochmal auf: Wie Du sehen konntest, haben beide Tools im Hinblick auf die EntwicklungBei Amazon shoppen? Hier entlang...[Was ist das?Affiliate-Link] von Astrofotos ihre Vor- und Nachteile und bilden – für meine Zwecke – eine perfekte Symbiose. Die Frage ist nicht, welches Tool besser ist, sondern welcher der zahlreichen Prozessschritte bei der Entwicklung


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Wo ziehst Du die Grenze bei der Bearbeitung Deiner Astrofotos und welche Tools setzt Du ein? Lasse gerne einen Kommentar da.


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